Mein Kind im Schlankheitswahn - Angehörige und die Essstörung

Eine Essstörung ist ins Haus eingezogen. Leise, still und heimlich. Kaum bemerkt lebt sie ungefähr 8 Monate mit im Haus bis sich Angehörige Hilfe holen. „Kaum bemerkt“ heißt „ja, ich hatte schon die ganze Zeit so ein komisches Gefühl. Allerdings war ich mir nicht sicher und irgendwie habe ich gehofft, dass sie einfach wieder geht. Genauso leise, still und heimlich wie sie gekommen ist“. In diesen acht Monaten haben viele Angehörige genau so ein komisches Bauchgefühl. Irgendetwas stimmt nicht. Lebensmittel verschwinden, auf Toilette riecht es komisch, das Kind wird immer dünner und dünnhäutiger, egal was ich sage, es ist nicht richtig. Auf der anderen Seite hat das Kind große Freude am Backen und Kochen, kommt mit zum Einkaufen, verbringt viel Zeit in der Küche – doch wenn man genau hinschaut, dann isst sie entweder nicht mit oder verschwindet relativ schnell nach dem Essen auf die Toilette.


Es wird gegoogelt und entschieden, ach so schlimm ist es nicht. Doch ein paar Wochen später ist es schlimm. Die Stimmung ist gereizt. Eltern und andere Angehörigen machen sich Sorgen, die Betroffenen sind ziemlich genervt. Gefühle wie Hilflosigkeit, Wut, Verzweiflung und Mitleid wechseln sich ab. Gedanken kreisen nur noch um das Thema „Essen“. Wie soll ich mich verhalten? Verständnis zeigen oder drohen? Strafen oder ignorieren? Eine Essstörung im Hause ist eine große Herausforderung – für alle. Und Angehörige, egal ob Eltern oder Lebenspartner, Freunde oder Geschwister, fühlen sich häufig alleine gelassen. Eltern fühlen sich zusätzlich schuldig und haben die Idee, etwas falsch gemacht zu haben. Das essgestörte Verhalten der Kinder ist schwer nachvollziehbar und führt im Alltag zu massiven Konflikten. Die Verhaltensmuster der Angeörigen und der Betroffenen können sich mit zunehmender Dauer der Erkrankung festfahren und lassen immer weniger Spielraum im Umgang miteinander zu.


Was erwartet Sie bei uns? Wir vom Verein EssLust e.V. haben unterschiedliche Angebote für Angehörige. Es besteht z. B. die Möglichkeit zu Einzel- und/oder Familiengesprächen oder an einem Eltern-Coaching teilzunehmen.


In einem ausführlichen Erstgespräch haben Angehörige die Möglichkeit, ohne das betroffene Kind, frei über Sorgen und Nöte zu reden. Sie brauchen auf niemanden Rücksicht zu nehmen und können sich alles von der Seele reden. Sie erfahren etwas über die jeweilige Essstörung, den Krankheitsverlauf und die nächsten notwendigen Schritte. So kann ein Besuch bei der Gynäkologin oder beim Zahnarzt der nächste Schritt sein oder die Ernährungsberatung (sinnvoll, wenn diese sich mit Essstörungen auskennt). Wir informieren über krankheitsaufrechterhaltende Verhaltensweisen und was zu Hause geändert werden darf. Nach dem Erstgespräch vereinbaren wir ein zweites Gespräch. Hier stellen wir gemeinsam einen ganz individuellen Rahmenplan für ihre Familie auf. Wenn es gewünscht wird, begleiten wir die Angehörigen weiter und stärken sie in der Erziehungsverantwortung.

 

In der Coachinggruppe haben Sie die Möglichkeit über Ihre Erfahrungen im Alltag mit ihren betroffenen Kindern zu sprechen. Zu sehen, dass man nicht alleine mit seinen Problemen ist, kann hilfreich sein und entlastend wirken. Ich gehe davon aus, dass Sie die Experten Ihrer Kinder sind und Sie die Fähigkeit besitzen, ihren eigenen Weg zurück ins „gesunde Leben“ zu finden. Im Coaching erfahren Sie Ermutigung, Sie bekommen Anregungen neue Wege im Umgang mit Ihrem Kind zu entdecken und auszuprobieren.

Das Coaching soll Sie darin unterstützen:

  • das Vertrauen in Ihre eigenen Erziehungskompetenzen als Experten Ihrer Kinder wiederzugewinnen
  • sich auf die Suche nach den Kraftquellen Ihrer Familie zu begeben
  • Handlungsimpulse im Umgang mit der Essstörung zu finden, die zu Veränderungen im gesamten Familien-system führen können
  • sich mit anderen Eltern auszutauschen, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen
  • fachspezifische Informationen zu sammeln und die gesundheitliche Situation des Kindes adäquat einschätzen zu können.



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