Diätpillen, Pulver & Co – Klug? Oder doch nur Lug und Trug?

Zwei kleine Achtsamkeitsübung für den Alltag

Gehe eine Liste von Gefühlen durch und überlege, wann du sie das letzte Mal deutlich gespürt hast. Überlege dir, ob deine Reaktion angemessen war und welche Gefühle du öfter spüren willst

 

 

Suche dir eine Möglichkeit, dich eine Woche lang rund um deinen Arbeitsplatz bewusst mehr zu bewegen. Mache während der Pause eine 5-minütige Gymnastikübung, steige ein paar Treppen mehr als nötig oder lege mittags einen zügigen Spaziergang ein.

 

 

 

Diätpillen, Pulver & Co – Klug? Oder doch nur Lug und Trug?

 

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier… Und Veränderungen machen Angst und sind nicht selten anstrengend. „Einfachheit“ steht auf der Prioritätenlist weit oben – großer Gewinn ohne viel Aufwand und Nervenverlust. Nichts Verwerfliches und da klingt es doch eigentlich auch ganz logisch und nachvollziehbar: Warum kompliziert, wenn es auch (vermeintlich) einfach geht? Lieber in die moderne „Abnehmindustrie“ investiert als das Leben umgekrempelt. Schnell eine Pille im Mundraum verschwinden lassen und auf den Weg in das Magen-Darm-System geschickt. Um sich das Kopfzerbrechen und den Zeitaufwand für die Mahlzeitengestaltung zu sparen, fix einen Shake angerührt und binnen weniger Minuten getrunken. Das fehlende Geschmackserlebnis erfolgreich verdrängt – denn wir wissen ja wofür wir es tun! Für das Wohlfühlgewicht…. Nein… für eine schlanke und definierte Silhouette wie es die Verpackung suggeriert.

 

Größter (scheinbarer) Gewinn der Diätmittelchen: Ich muss mich nicht mit mir und meinem Lebensstil auseinandersetzen, muss keine gefürchteten Hunger- und Verzichtphasen einhalten und die Waage zeigt vielleicht trotzdem eine Zahl, die zumindest kurzfristig zufrieden stimmt (note: auch wissenschaftlich fundierte Abnehmprogramme verzichten auf Hunger und Verbote). Und wenn die kleinen Helfer freiverkäuflich sind, können sie ja so schlecht nicht sein für den Organismus.

 

Und welcher Moment wäre geeigneter als das neue Jahr mit den alten neuen Vorsätzen um mal wieder mit einer Diät zu starten? Dieses Mal klappt es bestimmt mit der Gewichtsreduktion, aber doch bitte nicht zu kompliziert das Ganze. Daran, seinen Körper so anzunehmen wie er ist, denkt niemand. Zugegebenermaßen wäre dies neben den vielen medialen Einflüssen auch eine Glanzleistung! In einer Zeit, in der Schlankheit als Ideal betrachtet wird und ein Körper mit natürlichen Rundungen den Stempel „disziplinlos“ aufgedrückt bekommt, wundert es nicht, dass sich im Business mit den Kilos zahlreiche Geschäftemacher tummeln. Und das auch noch erfolgreich: jährlich werden 170 Millionen Euro allein in Deutschland für Diätpräparate ausgegeben (Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V.).

 

Wirft man einen intensiveren Blick auf die als Wundermittel propagierten Präparate, zeigt sich eine Produktpalette, die vielfältiger kaum sein könnte. Und deren Versprechen nicht verlockender sein könnten. Doch abnehmen tut in erster Linie nur das Portemonnaie. Die dargestellten Effekte treffen in der Realität selten zu.

 

Die Industrie versucht mit verschiedenen Wirkmechanismen zu locken und lässt dem Verbraucher die Wahl aus dem Zauberkasten der Schlankmacher:

 

  • Formuladiäten: bestehen hauptsächlich aus Milcheiweiß und Soja, mit Wasser angerührt ersetzen sie eine Mahlzeit
  • Sättigungskapseln: enthalten Quell- und Füllstoffe, füllen den Magen mit wenigen Kalorien, enthalten Ballaststoffe (überwiegend aus der Konjakwurzel)
  • Fettblocker: binden Fett aus der Nahrung und lässt es auf natürliche Weise ausscheiden, bevor das Fett die Möglichkeit hat "Pölsterchen" zu bilden
  • Kohlenhydratblocker: werden umworben mit Ballaststoffen aus Bohnen, die verhindern, dass dickmachende Kohlenhydrate verwertet werden
  • Abführmittel: wirken entgegen ihres Verspreches erst im Enddarm nachdem die Verstoffwechselung der Nährstoffe bereits stattfand
  • weitere angebliche Wirkungsweisen:
    Hemmung von Enzymen, so dass überschüssige Kohlenhydrate nicht in Fett umgewandelt werden können
    Hemmung der Produktion von Stresshormonen, so dass Fressattacken der Vergangenheit angehören
    Reinigung des Darms und Entschlackung des Körpers
    Zucker und Fette sollen schneller ausgeschieden werden

 

Und als ob das nicht schon Wunder genug wäre, versprechen einige Mittel nun auch noch die Festigung der Haut sowie Haarstruktur und Vorbeugung der Alterungsmerkmale. Alles Wirkungen, die freiverkäufliche Präparate gar nicht mit sich bringen dürfen, da sie Medikamenten vorenthalten sind.

 

Wie bei vielen Modeerscheinungen treten nicht nur die Verfechter, sondern auch die Gegner in Erscheinung. So haben es sich Wissenschaftler zur Aufgabe gemacht, verschiedene Diätprodukte genauer unter die Lupe zu nehmen und fanden heraus, dass es sich häufig nicht nur um Lug & Trug handelt, sondern die Einnahme zu einer ernsthaften Gesundheitsgefährdung führen kann. Eine besondere Warnung gilt für Produkte, die nur per online-Kauf zu erwerben sind. Das World Wide Web ist geduldig – und noch immer sind Produkte erhältlich, die aufgrund ihrer möglichen gesundheitsschädlichen Wirkung vom deutschen und teilweise vom EU-Markt genommen worden sind. Überwachungsbehörden raten von solchen Produkten ab, da häufig eine Täuschung bezüglich der wahren Zusammensetzung vorliegt. Die „mit pflanzlichen Inhaltsstoffen“ deklarierten Präparate beinhalten nicht selten pharmakologisch wirksame Substanzen. Sie enthalten in erster Linie den Inhaltsstoff „Sibutramin“, ein Arzneistoff, den man einst als Appetitzügler in der Adipositastherapie eingesetzte und der seit 2010 in Deutschland nicht mehr zugelassen ist. Die Nebenwirkungen des Diätwirkstoffes sind vielfältig und erstrecken sich von Kopfweh, Mundtrockenheit und Erbrechen bis hin zu Herzrasen und Bluthochdruck. Es soll Todesfälle gegeben haben. Ein weiterer Inhaltsstoff mit gesundheitsgefährdendem Potenzial ist Fenfluramin, welcher sich überwiegend in chinesischen Produkten wiederfindet. Rimonabant, Ephidrin und Synephrin wurden ebenfalls als potentiell gefährlich eingestuft. Sie werden mit einer fettabbauenden Wirkung beworben, wirken in erster Linie jedoch entwässernd.

 

Wieso finden diese Produkte noch immer den Weg zum Verbraucher, wenn doch das handeln mit nicht zugelassenen Produkten strafbar ist? Wen wundert nun diese Antwort: Gesetzeslücken und die mangelnde Durchsetzung von Vorschriften. Und dann fehlt häufig auch noch der Verantwortliche, den man überhaupt belangen könnte. Gegen Telefonnummern und Postfächer kann man nicht klagen und Internetseiten gehen genauso schnell wie sie erschienen sind.

 

Beruhigend: Die meisten Produkte der ansässigen Drogeriemärkte sind nicht lebensgefährlich, jedoch wirkungslos und teuer – besonders dann, wenn ihnen ein exotischer Beigeschmack angedichtet wurde!!

 

Insbesondere die vielfach erwähnte „entschlackende“ Wirkung wirft Rätsel auf: Eine anatomische Zeichnung, ein Röntgenbild oder eine Ultraschallaufnahme vor das fotografische Gedächtnis geführt: eine vergebliche Suche nach Schlacken! Fehlanzeige im menschlichen Körper, eher ein typischer Bestandteil von Hochöfen!

 

Die im TV und Zeitschriften umworbenen Fettkapseln haben eine unter Umständen folgenreiche Begleiterscheinung: Die fettlöslichen unverzichtbaren Vitamine und essenziellen Fettsäuren haben kaum eine Chance aus dem Speisebrei in die Blutbahn zu gelangen. Was oftmals nicht auf dem „Infozettel“ steht, dass parallel eine fettarme Diät eingehalten werden sollte, da sonst die Nebenwirkungen, wie z.B. Durchfall und übelriechende Fettstühle sehr unangenehm werden können. Dabei sollte doch gerade durch das Einschmeißen der Dragees ungehemmt geschlemmt werden können.

 

Als wäre der schnelllebige Markt der Diätpräparate nicht schon übersättigt, treten neben den üblichen Pillen und Pulvern sonderbare Produkte in Erscheinung. Darunter bspw. Schlank-Einlegesohlen, die durch Noppen die Verdauungsorgane anregen und durch tägliches 1-2-stündiges Tragen in der Woche 4-5 kg in Luft auflösen sollen. Schlankheitspflaster aufgeklebt auf entsprechende Reflexzonen versprechen eine Hemmung des Appetits, insbesondere auf Süßes. Die Anti-Cellulite-Hose, die eine Straffung und Definition der Beine zusichert, bewirkt genau das Gegenteil; Haut, die über einen längeren Zeitraum eng verpackt wird, wird schlaff. Auch der Saunagürtel, der auf 70°C erhitzt wird und das Fett von außen schmelzen lassen soll, ist mehr Hokuspokus als alles andere. Die Liste ließe sich noch um einige Seiten erweitern.

 

In einem Zeitalter, in dem die Top-Figur bzw. das gesamte makellose äußere Erscheinungsbild als Ideal von der Gesellschaft und den Medien gepusht wird und fast als einziges Erfolgsmerkmal gilt, wundert es nur wenig, dass Menschen mit empfundenen Figurproblemen durch die Wundermittel angelockt werden. Jungen Menschen, die oft einem ganz besonderen gesellschaftlichen Druck unterliegen, erst ihren Platz noch finden müssen, berufliche Chancen nicht verpassen möchten und zu guter Letzt mit einer Traumwelt à la Heidi Klum gelockt werden, wird der Zugang zu Diätpillen so einfach gemacht, dass es schwer fällt nicht zuzugreifen. Und wenn erstmal ein paar Kilos geschafft sind, wird alles besser.. Im Job, in der Partnerschaft, das ganze Leben… Ist diese Denkweise verankert, kann aus dem Ausprobieren der „Abnehmhelfer“ schnell eine ernstzunehmende Essproblematik resultieren.

 

Und egal, welches Mittel der Wahl gekauft und mit welchem Shake die Mahlzeit ersetzt wird, eine langfristige und gesunde Gewichtsabnahme wird damit eine Traumvorstellung bleiben. Auch wenn der Einsatz ungefährlich und ggf. mit dem Hausarzt abgesprochen ist, ist eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten unabdingbar, am besten gepaart mit Bewegung. Ansonsten steht der Jojo-Effekt schneller vor der Tür, als einem lieb ist. Nach dem Motto: Nach der Diät, ist vor der Diät. Und gelernt, wie man nachhaltig Gewicht verlieren oder mit seinem Körper leben kann, hat man dadurch auch nicht.

 

Es bleibt dabei: Eher Lug & Trug als klug!

 

 

Termine von EssLust e.V.

 

Bildungsurlaube:

 

Mit Schwung zu mehr Fitness - Gesundheitstraining durch smovey, Entspannung und Achtsamkeit auf Spiekeroog vom 23.05. – 27.05.2016                ausgebucht!                                                                                       

 

Gesundheitstraining - Achtsamkeit, Bewegung, Entspannung und Ernährung im Wendland vom 20.6. – 24.06.2016                                                  noch Plätze frei

 

Mit Schwung zu mehr Fitness - Gesundheitstraining durch smovey, Entspannung und Kraft tanken in der Lebensmitte
Ruhe und Kraft tanken in der Lebensmitte und gestärkt in den Alltag
im Wendland vom 22.08.-26.08.2016                           - tolles Thema für die Lebensmitte und noch Plätze frei! –

 

Und vom 05.09. – 09.09.2016 auch im Wendland und auch noch Plätze frei 

 

Mit Schwung zu mehr Fitness - Gesundheitstraining durch smovey, Entspannung und Achtsamkeit
Gesundheitstraining - Achtsamkeit, Bewegung, Entspannung und Ernährung
auf Sylt vom 09.10. – 15.10.2016                               noch Plätze frei!

 

 

 

Vortrag mit May Götz in Bremen m 06.06.2016 (Sobald ich die Uhrzeit und Ort weiß, gibt es weitere Infos):  Von Prinzessin Lillifee zu Germany`s Next Topmodel – Überblick über diverse Studien – zum Thema Essstörungen im Bereich Kinder- und Jugendfernsehen.

 

Maya Götz ist Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen).

 

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