Fortsetzung: Angehörige und Essstörungen

Hilflose Helfer brauchen Hilfe

Was ist denn damit gemeint?

Die meisten Angehörigen leiden unter den stressigen Situationen, die eine Essstörung so mit sich bringt. Jeder, der einen näheren Kontakt zu der erkrankten Person eingeht, um ihr zu helfen, verstrickt sich früher oder später. Die übermäßige Sorge der Eltern und dem Wunsch, helfen zu wollen, kann die Essstörung sogar noch verstärken. Denken, Fühlen und Handeln dreht sich nur noch um das erkrankte Kind und die Essstörung. Angehörige schlafen schlecht (aus Sorge) und kommen kaum noch zur Ruhe – sie vernachlässigen mehr oder weniger die eigene seelische und körperliche Gesundheit. Persönliche Interessen wie Aktivitäten und soziale Kontakte werden weniger, manchmal leidet auch die Berufstätigkeit. Angehörige schämen sich und fühlen sich schuldig. Das Bild der „glücklichen“ Familie bekommt Risse und man fragt sich, was man alles falsch gemacht hat. Verzweiflung, Trauer, Tränen und auch Wut, Ärger, Unzufriedenheit.

Entscheidungen, Konsequenzen oder Drohungen, die in emotional überwältigenden Momenten verkündet werden, werden nicht umgesetzt. Es fehlt an Mut und Stärke. Wer bringt schon freiwillig sein krankes Kind in eine Klinik oder ins Krankenhaus? Ja, wer? Man weiß nicht mehr weiter. Die Essstörung wird immer mächtiger und die Angehörigen immer verzweifelter.

Jetzt kommen Stimmungsschwankungen, Freudlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Angst hinzu. Selbst bekommt man vielleicht Magenprobleme, mag selbst nicht mehr essen, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit. Und mit Misstrauen, Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit geht es vorn wieder los – Sorgen, Ängste, Tränen, Verzweiflung. Ein Teufelskreislauf, der sich dreht und dreht und dreht und…..

Alleine kommen Sie da nicht raus, leider. Suchen Sie sich eine Beratungsstelle, die sich mit Essstörungen auskennt. Suchen Sie das Gespräch, damit Sie als Angehörige Entlastung erfahren und die ein oder andere Idee wie Sie mit Ihrer Tochter umgehen können und aus diesem Teufelskreislauf aussteigen können.

Wie verstrickt sind Sie? Hier ein paar Fragen für Sie:

·         Alles dreht sich immer nur um das Thema Essen, Nichtessen, um das Kind?

·         Sie sorgen sich ständig um sie und innerlich rotieren Sie, wie Sie ihr am besten helfen können?

·         Sie würden wirklich alles tun, damit sie wieder normal isst?

·         Sie würden alles kochen, nur damit sie isst?

·         Sie würden alles einkaufen, damit sie isst?

·         Sie würden Ihren Freundeskreis bzw. Ihre Verabredungen minimieren, damit Sie bei Ihrem Kind bleiben können?

Wenn Sie die Fragen mit „ja“ beantwortet haben, dann brauchen Sie Hilfe. Jemanden, der Sie ein Stück begleitet und Ihnen und Ihrer Familie hilft, mit der Essstörung klar zu kommen.

Selbstverständlich können Sie sich einer Selbsthilfegruppe (Informationen bei Kibis) anschließen oder selbst eine gründen.

Sie können eine Einzel- oder Familienberatung nutzen.

Die Ernährungsberatung (darf sich mit Essstörungen auskennen) darf aufgesucht werden.

Verschiedene Ärzte (Gynäkologe, Zahnarzt, Hausarzt, Internist)

Und: Sie können sich Kliniken ansehen, Gespräche zum Kennenlernen vereinbaren.

 

Hier noch einmal ein paar Tipps für den Umgang mit der Essstörung:

  • Essen Sie getrennt, wenn Sie die Situation unerträglich finden und
    selbst nicht mehr entspannt essen können
  • Verbieten Sie, dass sich Ihr Kind ständig in der Küche aufhält, um für andere zu kochen
  • Lassen Sie sich nicht auf Gespräche über das Essen, die Essensmengen und das Körpergewicht ein – machen Sie deutlich, dass die Verantwortung dafür bei Ihrem Kind liegt
  • Achten Sie auf sich! Nur wenn es Ihnen gut geht, können Sie auch für andere hilfreich sein. Nur wenn Sie seelisch in der Lage sind, lassen Sie sich auf ein Gespräch ein.
  • Magersüchtige sind „nur“ Symptomträger, d. h. die restliche Familie hat durchaus auch etwas mit dem Entstehen und der Aufrechterhaltung des Symptoms zu tun
  • Achten Sie auf direkte Kommunikation – der Vater erkundigt sich nicht bei seiner Frau nach der Befindlichkeit des Kindes, sondern direkt beim Kind
  • Es darf Ihnen gut gehen, auch wenn es Ihrem Kind nicht gut geht (es ist keinem geholfen, wenn Sie mitleiden und auch noch krank werden). Tun Sie sich etwas Gutes!
  • Geben Sie ein beispielhaftes Modell (Sie sind nicht perfekt, sie sind bedürftig, sie haben Gefühle)
  • Grenzen akzeptieren (anklopfen, abschließen etc.)
  • Spaziergänge sind toll zum Reden
  •  Halten Sie Aggressionen aus, genauso wie Ablehnung
  •  Lassen Sie Info-Material liegen

 

 

Interessantes:

·         Nora Burgard-Arp erhält Reportagepreis der Heinrich Böll Stiftung:
Keine Essstörung gibt Wissenschaftlern mehr Rätsel auf als die Magersucht: Wie können Menschen den Urtrieb Hunger derart ausblenden, warum nehmen sie ihren Körper so verzerrt wahr? Therapeuten und Hirnforscher suchen gemeinsam nach neuen Ansätzen im Kampf gegen die Anorexia nervosa.
Den ganzen Artikel finden Sie hier:
https://www.substanzmagazin.de/magersucht-hirnforscher-entwickeln-neue-therapie/

·         Orthorexie – so krank kann gesundes Essen machen
Nicht jeder Veganer oder Vegetarier hat gleich eine Orthorexie. Doch für viele ist es der Einstieg in die Essstörung Anorexie.
Das Leben dreht sich nur noch um gesunde Ernährung.

Den ganzen Artikel finden Sie hier:
http://www.extratipp.com/aufreger/veganer-vegetarier-orthorexier-wenn-gesund-essen-krank-macht-5862286.html

 

 

Termine – Termine – Termine

 

                                                                           

Bildungsurlaub 2016
Wir fahren wieder los. Im Gepäck das Sport- und Therapiegerät smovey, die Lebensmitte, Achtsamkeit, Essverhalten, Stressmanagement, gute Laune und Lust zu reflektieren:

·         08.02. – 12.02.2016 in Hannover
Qualifikation zur Beratung von Menschen mit einer Essstörung und Moderation von Gruppen bei Essstörungen

·         23.05. – 27.05.2016 Spiekeroog
Mit Schwung zu mehr Fitness – Gesundheitstraining durch smovey, Entspannung und Achtsamkeit

·         20.06. – 24.06.2016 Wendland, Waddeweitz
Gesundheitstraining – Achtsamkeit, Bewegung, Entspannung und Ernährung

·         22.08. – 26.08.2016 Wendland, Waddeweitz
Mit Schwung zu mehr Fitness – Gesundheitstraining durch smovey, Entspannung und Kraft tanken in der Lebensmitte

·         05.09. – 09.09.2016, Wendland, Boltersen
Ruhe und Kraft tanken in der Lebensmitte und gestärkt in den Alltag

·         09.10. – 15.10.2016 auf Sylt
Mit Schwung zu mehr Fitness – Gesundheitstraining durch smovey, Entspannung und Achtsamkeit

Bei Buchungen bis Weihnachten gibt es 10% Rabatt


Und unser Netzwerk Essstörungen trifft sich 2016 auch wieder:

  • Montag, 18.01.2016, 18.30 Uhr, Lizter Turm, Hannover.
    Interessierte Fachleute sind herzlich Willkommen.




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